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Das Vilniuser Kolloquium von 1585

Dr. Darius Petkūnas,
Universität Klaipėda

DAS VILNIUSER KOLLOQUIUM VON 1585
als Bemühung des Fürsten Christophorus Radzivilus
des Donners, die kirchliche Eintracht zwischen
der Lutherischen und der Evangelisch-reformierten Kirche
des Großfürstentums Litauen zu bewahren

11585 rief der Fürst Christophorus Radzivilus der Donner (lit. Kristupas Radvila Perkūnas, pol. Krzysztof Radziwiłł zwany Piorunem; 1547–1603), Hetman von Litauen und Woiwode von Vilnius, lutherische und evangelisch-reformierte Theologen zu einem Kolloquium zusammen, in dem Theologen der beiden Kirchen zu einer einheitlichen Abendmahlslehre kommen sollten. Mit dieser Zusammenkunft beabsichtigte Radzivilus der Donner, die theologischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Kirchen zu beenden und die Sandomirer Vereinbarung (den Konsens von Sandomir) von 1570, die die Lutheraner des Großfürstentums Litauen 1578 abgewiesen hatten, wieder ins Leben zu rufen. Die Ergebnisse des Kolloquiums beeinflussten nicht nur die Beziehungen zwischen den beiden Kirchen, sondern auch die Entwicklung der Reformation im Großfürstentum Litauen im Allgemeinen.
Der Konsens von Sandomir, der am 14. April 1570 in der polnischen Stadt San-domierz (dt. Sandomir) in der Generalsynode von Reformierten, Lutheranern und Böhmischen Brüdern Litauens und Polens unterschrieben wurde, ist von Anfang an unterschiedlich betrachtet worden. Die Reformierten und die Böhmischen Brüder schätzten die Vereinbarung als Unionsakt zwischen den drei wichtigsten reformatorischen Kirchen, womit sie dem Sejm und dem König ihre Einheit demonstrierten. Sie behaupteten, dass die Sandomirer Vereinbarung nicht nur ein politisches, sondern auch ein theologisches Dokument sei, das allen theologischen Auseinandersetzungen ein Ende gesetzt habe, einschließlich der Abendmahlslehre, die bisher die Kirchen spaltete.
Die Lutheraner betrachteten diese Vereinbarung von ihrem eigenen Standpunkt. Sie hielten den Konsens nur für ein politisches Dokument, das die Verhältnisse zwischen den drei reformatorischen Kirchen regelte. Ihrer Ansicht nach wurde die Abendmahlslehre nur allgemein im Dokument definiert, und die Fragen, die damals die protestantischen Kirchen trennten, umgegangen. Sie verstanden die Vereinbarung nicht als Vereinigung der Kirchen, sondern nur als Protokoll eines Vorhabens, das weitere Zusammenkünfte vorsah, die zu einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis führen sollten. Die Lutheraner unterschrieben den Konsens in der Hoffnung, dass die drei protestantischen Kirchen des Königreichs durch diese politische Vereinigung einen wesentlichen Einfluss bekommen und offiziell als der römisch-katholischen Kirche gleichberechtigt anerkannt würden.
Die Vertreter der römisch-katholischen Kirche waren von Anfang an skeptisch. Der Kardinal der polnischen Kirche Stanisław Hozjusz (1504-1579) schrieb in einem Brief an den Erzbischof von Gnesen (poln. Gniezno) Jakób Uchański (1502-1581), es sei nicht anzunehmen, dass die drei protestantischen Kirchen zu einer einheitlichen Abendmahlslehre gelangen könnten3. Die katholische Kirche sah die Vereinbarung nur als politisches Dokument an. Sie erkannte, dass die Protestanten damit nach einer juridischen Anerkennung strebten, und beabsichtigte, ihre Pläne zu verhindern.
Obwohl der Konsens von Sandomir viele Hoffnungen weckte, wurden die protestantischen Kirchen im Sejm von 1570 nicht offiziell anerkannt. Senatoren und Bischöfe lehnten 1570 das Bekenntnis von Sandomir ab und verwehrten den Protestanten ihre religiöse Freiheit. Diese feste Einstellung zwang den König Sigismund II. August (lit. Žygimantas II Augustas; pol. Zygmunt II August; 1520-1572), sich der katholischen Mehrheit anzuschließen. Der Verlauf des Sejms von 1570 hat die Vereinbarung von Sandomir beinahe zu Grunde gerichtet, denn es wurde festgestellt, dass die Reformierten anstatt des Konsenses von Sandomir das Bekenntnis von Sandomir, das sie selbst formuliert hatten, dem König einreichten. Als die Lutheraner Polens davon erfuhren, bezeichneten sie das Verhaltung der Reformierten als Missachtung des Konsenses von Sandomir und drohten, ihn aufzukündigen.
Trotz dieser anfänglichen Mängel befolgten die Protestanten Polens und Litauens die Bestimmungen der Sandomirer Vereinbarung. Der Konsens wurde unter der Anwesenheit von Lutheranern in den Generalsynoden in Krakau 1573 und in Piotrków 1578 bestätigt. (………….p. 204-232)

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Dr. Darius Petkūnas Das Vilniuser Kolloquium von 1585 als Bemühung des Fürsten Christophorus Radzivilus des Donners, die kirchliche Eintracht zwischen der Lutherischen und der Evangelisch-reformierten Kirchedes Großfürstentums Litauen zu bewahren. - Colloquium habitum Vilnae die 14 Iunii, anno 1585 super articulo de Caena Domini. Vilnius 2006,. p. 204-232.